Erster Praktikumstag bei AVEGA

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Montag ist mein erster Praktikumstag bei AVEGA, der Assotiation des Veuves du Genocide d`Avril. AVEGA wurde 1995 von Genozidüberlebenden gegründet, unter anderem meiner Kollegin Esther und meiner Gastgeberin Asteríe, um die vielen Witwen und Waisen, deren Lebensgrundlagen zerstört worden waren, sozial und psychologisch zu unterstützen. AVEGA betreibt in Kigali ein Behandlungszentrum mit schätzungsweise 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (genauere Zahlen kommen später) - Sozialarbeiterinnen, einer psychologischen Beraterin, einem Arzt, Krankenschwestern, Verwaltungskräften und Fahrern. Auf dem überdachten Vorplatz des Zentrums sammeln sich im Laufe des Tages ungefähr 50 Frauen, Kinder und Jugendliche, viele in traditioneller afrikanischer Kleidung, die auf Gespräche warten.

Ich fühle mich als Weiße, die zudem auch noch der Landssprache nicht mächtig ist, reichlich unbeholfen. Von vielen Mitarbeiterinnen werde ich freundlich begrüßt, habe aber insgesamt das Gefühl, dass ich gerade etwas ungelegen komme. Ich glaube die Mitarbeiterinnen wissen nicht so recht, was sie nun mit mir anfangen sollen. Ich werde zunächst dem „Service Social“ zugeordnet. Ich bekomme einen Schreibtisch, zwei Beraterinnen sitzen an anderen Schreibtischen. Ungefähr im Viertelstundentakt kommen Frauen oder Jugendliche herein, Witwen und Waisen, die den Beraterinnen ihr Anliegen auf Kinyarwanda schildern. Sie werden dann an die zuständigen Mitarbeiterinnen weiter vermittelt.

Adèle am Schreibtisch neben mir übersetzt mir von Zeit zu Zeit, worum es bei den Gesprächen geht. Viele Frauen sind durch Vergewaltigungen mit HIV infiziert worden. Bis vor wenigen Jahren sind viele an AIDS gestorben, da sie sich die Behandlung nicht leisten konnten. Seit 2004 stellt die ruandische Regierung die Medikamente kostenlos zur Verfügung. Bei AVEGA können sich die Betroffenen regelmäßig untersuchen lassen und Medikamente abholen. AVEGA bietet auch psychologische Beratung und Unterstützung zum Lebensunterhalt. Eine alte Frau hat alle ihre Kinder beim Genozid verloren. Durch einen Machetenhieb am Hals kann sie nicht mehr arbeiten. Es gibt niemanden, der sie versorgt. Von AVEGA erhält sie regelmäßig Geld für ihren Lebensunterhalt.

Nach ungefähr zwei Stunden kommt Jeanne, die Koordinatorin des psychosozialen Bereichs und holt mich ab, da sie nun für mich zuständig sei. Ich erhalte einen anderen Platz in einem anderen Büro. Dann stellt sie mich sämtlichen Mitarbeiterinnen vor. Wir machen einen Plan für die Praktikumszeit, bei dem ich wöchentlich anderen Mitarbeiterinnen und Arbeitsbereichen zugeordnet werde. Darüber hinaus will ich mit verschiedenen Mitarbeiterinnen und Klientinnen sprechen und Texte über die Arbeit von AVEGA verfassen, die zum Beispiel auf der Internetseite von AVEGA verwendet werden können.

Ich hoffe, dass ich mich bei AVEGA trotzdem sinnvoll in die Arbeit einbringen kann, auch wenn ich mich mit vielen Klientinnen nicht verständigen kann, da ich kein Kinyarwanda spreche. Ein paar Jugendliche, die zur HIV-Behandlung kommen, haben mich aber schon angesprochen (es ist ja auch ganz praktisch als Muzungu Interesse zu wecken) und da hat es gut geklappt mit der Kommunikation.

Insgesamt bin ich guter Dinge, die Sinnkrise hat mich bislang nicht mehr ereilt, ich schlafe hervorragend und bin gespannt, wie es weiter geht.